Staub und Seide
In der Medina ist alles gleichzeitig in Bewegung — Menschen, Ware, Esel, Motorroller teilen sich dieselbe schmale Gasse. Gearbeitet wird nicht in Hinterzimmern, sondern direkt auf der Straße. Es riecht nach Räucherwerk. Mehrmals am Tag hält die Stadt kurz inne, zum Gebet — dann geht es weiter, im selben Tempo wie zuvor. Nietze ist mit der Kamera hindurchgegangen — nicht um Szenen zu stellen, sondern um eingelassen zu werden.
Ein Handwerker schaut misstrauisch aus seiner Werkstatttür. Später lacht ein anderer Mann ihr direkt entgegen. Ein Schweißer im Funkenregen. Ein Gerber bis zu den Armen in der Färbegrube. Ein Mann und sein erschöpfter Esel, die beide warten. Eine Frau, deren Geschichte sich nicht vollständig klären lässt.
Was bleibt, ist keine erklärte Stadt. Nur die Distanz, die sich für einen Moment aufgelöst hat.
